Redebeitrag

Einleitung

Wir gedenken heute Friedrich Maßling

Wir wissen nicht viel über Friedrich Maßling. Aber wir wissen, er war ein Mensch!
Mit einem eigenen Lebensentwurf, mit Wünschen und Träumen.
Ein Mensch, der ein Recht hatte auf würdige Behandlung, auf Unvoreingenommenheit, auf
Selbstbestimmung, auf Würde und Respekt.
Dies alles wurde ihm auf Grund einer Menschenverachtenden Ideologie genommen!

Friedrich Maßling

03. April 1993, 58 Jahre
Am 29. März 1993 wurde der 58-jährige Friedrich Maßling in Bad
Segeberg von zwei Neonazis so schwer misshandelt, dass er
wenige Tage nach dem Angriff starb.
Friedrich Maßling bezog an diesem Tag eine Unterkunft für
Wohnungslose Menschen – die „Villa Menke“ hier in Bad
Segeberg.
Die Täter befanden sich schon länger in der Unterkunft.
Das Opfer kannten sie bis dahin nicht.
Am Abend der Tat sollen sie Zeug*innenaussagen zufolge davon
gesprochen haben: „Den Penner aufzumischen“.
Das Zimmer in der Unterkunft, das von Friedrich Maßling
bezogen wurde, nannten sie „Pennerzimmer“.
Die beiden Täter verprügelten Friedrich Maßling mit einer Flagge
der rechtsextremen ‚Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei‘
(FAP) und misshandelten ihn stundenlang.
Am Morgen danach forderte der Haupttäter den schwer verletzten
Friedrich Maßling dazu auf, das verwüstete Zimmer aufzuräumen,
denn er „habe sich für die Ordnung im Haus mitverantwortlich
gefühlt“.
Anschließend ließen die Täter Friedrich Maßling am Tatort liegen,
unterließen jegliche Hilfe und riefen keinen Krankenwagen.
Friedrich Maßling kam erst Tage später ins Krankenhaus und erlag
dort am 03.April 1993 den Kopfverletzungen, die ihm mit
beispielloser Brutalität durch die Täter zugeführt wurden.
Die Täter wurden wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu je
einer dreieinhalbjährigen und einer dreijährigen Haftstrafe
verurteilt – ein unverständlich geringes Urteil.
Vergleicht man es mit ähnlichen Taten, die ebenfalls nach

Jugendstrafrecht verhandelt wurden, sticht das Urteil für diese Tat
durch seine besondere Milde heraus.
Einer wurde als vermindert schuldfähig eingestuft. Er saß seine
Strafe in einer geschlossenen Psychiatrie ab, konnte jedoch nach
wenigen Wochen schon wieder am Wochenende nach Hause
fahren und seine Frau besuchen.
Erst nach 27 Jahren wurde der Name des Opfers durch
Recherchen von Zeit Online und dem Tagesspiegel öffentlich. Bis
heute wird die Tat offiziell nicht als rechts motiviert anerkannt.
Wie aktuell das Thema ist zeigen nicht nur die Anschläge in
Hanau und Halle.
Auch in unserer direkten Nachbarschaft kommt es immer wieder
zu rechten Angriffen.
So beispielsweise am 17.10.2020 in Henstedt Ulzburg, wo ein
AfD Sympathisant mit seinem Pick Up in eine Gruppe linker
Demonstranten fuhr und 3 Personen verletzte, eine davon schwer.
Auch hier spricht die Polizei nicht von einem rechts motivierten
Anschlag, sondern lediglich von einem Verkehrsunfall.
Wir möchten heute sowohl den vielen Opfern rechter Gewalt
gedenken, als auch auf die enorme Gefahr der sich immer weiter
in die Mitte der Gesellschaft ausbreitenden rechten Ideologien
aufmerksam machen.
Wir bitten euch nun, einen Moment zu schweigen, um an alle zu
denken, die aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrer
äußeren Erscheinung von Ausgrenzung betroffen sind und sich an
jene zu erinnern, die durch menschenverachtende Gewalt aus
unserer Mitte gerissen wurden.
Denn nur indem wir uns erinnern, können wir aus der Geschichte
lernen und auf eine Zukunft hinarbeiten, in der die Fehler und
Verbrechen der Vergangenheit, nicht erneut begangen werden.