Demo 07.11.2020

Der gesellschaftliche Diskurs verschiebt sich nach rechts.

Wer in den letzten Jahren die Nachrichten verfolgt hat, kann das unmöglich bestreiten. In den USA ist ein Präsident an der Macht, der immer wieder durch rassistische Äußerungen auffällt. Europäische Mittelmeerstaaten weigern sich, in Seenot geratene Geflüchtete aufzunehmen und behindern aktiv die private Seenotrettung. Im Deutschen Bundestag ist die extrem rechte AFD vertreten, in der weite Teile erwiesenermaßen verfassungsfeindliche Ziele verfolgen.

Die politische und gesellschaftliche Akzeptanz für rechte Ideologien ist gestiegen. Auf den Querdenken-Demos marschieren tausende Menschen neben Reichsbürger*innen und bekennenden Neonazis. Anstatt sich zu distanzieren, wird AFD-Politiker*innen und Anhänger*innen von antisemitischen Verschwörungstheorien eine Bühne geboten, offen für ihr eingeschränktes Weltbild zu werben. Diese Akzeptanz zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Immer wieder werden rassistische Chatgruppen von Polizist*innen aufgedeckt, in denen Polizist*innen – über mehrere Jahre hinweg – rassistische und NS-verherrlichende Inhalte teilten.

Wozu diese Akzeptanz menschenverachtender Gedanken führt, ist in den letzten Jahren auf traurige und erschütternde Art und Weise sichtbar geworden.

Die rechte Szene radikalisiert sich. Es häufen sich rechtsradikale Terroranschläge und Gewalttaten wie in Halle oder Hanau. Deutschland ist hierbei trauriger Spitzenreiter in Westeuropa, mit ganzen 65 % mehr Fällen als in Italien, die auf Platz 2 liegen.

Doch es bildet sich auch Widerstand gegen rassistische Tendenzen in unserer Gesellschaft, gegen eine Politik der Abschottung und Ausgrenzung.

Überall entstehen Bündnisse, Initiativen und Vereine, die sich aktiv gegen Rechts positionieren und durch ihr Handeln für eine demokratische und weltoffene Gesellschaft einstehen. Die „Black Lives Matter – Bewegung“ brachte dieses Jahr weltweit hunderttausende Menschen auf die Straße. Fridays for future und diverse andere Klimainitiativen demonstrieren beständig gegen den fortschreitenden Klimawandel, der viele Menschen zwingt, ihr Zuhause zu verlassen. Auch in Bad Segeberg hat sich eine breite Öffentlichkeit um das Thema gebildet.

Ein Jahr ist es her, dass wir mit 3000 Menschen in Bad Segeberg gegen rechte Netzwerke und für eine offene Gesellschaft demonstriert haben.

Nicht zuletzt aufgrund der vielen Aktionen, die es hier im letzten Jahr gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegeben hat, ist es nach außen hin ruhiger um die rechte Szene in Bad Segeberg geworden. Dadurch ist der Eindruck einer Normalisierung entstanden. Die Gefahren, die von einer solchen Gruppe ausgehen, scheinen für viele Menschen nicht mehr greifbar zu sein.

Doch der Schein trügt.

Noch immer rekrutiert die gleiche Gruppe gewaltbereiter Neonazis – gegen die mittlerweile ein Terrorprozess läuft – überregional Mitglieder, um ihre rassistische Hetze auf die Straße zu tragen. Sie etablieren sich im Stadtbild und versammeln, gerade in der Südstadt, immer mehr Anhänger um sich.

Dass aus Worten auch Taten folgen, haben die rechten Terroranschläge der letzten Jahre gezeigt.

Lasst uns dem entschlossen entgegentreten !
Lasst und verhindern, dass Bad Segeberg für die Nazis zu einer „Wohlfühlzone“ wird und bei uns ein „Nazikiez“ entsteht.

Die Zivilcourage eines jeden einzelnen ist jetzt gefragt.

Lasst uns gemeinsam für eine offene Gesellschaft ohne Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung von Minderheiten auf die Straße gehen !

Kommt ALLE am 07.11. 2020 um 11.00 Uhr nach Bad Segeberg in den Landratspark

Beachtet die Hygieneregeln tragt Maske und haltet Abstand!

Lasst uns entschlossen gegen rechtes Gedankengut demonstrieren und ein für allemal klarstellen:
Wir sind mehr!
Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der rechte Ideologien keinen Raum finden !
Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus !

Segeberg bleibt bunt !!!