17.04 Demonstration Henstedt-Ulzburg

Henstedt-Ulzburg war kein Unfall !

Rechten Terror stoppen !

Solidarität mit den Betroffenen des rechten Angriffs

Heute, am 17.04.2021, ist es ein halbes Jahr her, dass Menschen in Henstedt-Ulzburg von einem rechtsradikalen Täter angefahren und verletzt worden sind.

Dieser Angriff hätte auch jede und jeden anderen treffen können, der sich dort befand. Sie wurden angegriffen, weil sie gegen rechtsextreme und rechtspopulistische Politik protestierten und allein damit dem Feindbild des Täters entsprachen.

Durch ihr offenes Bekenntnis gegen die rechtsextreme  AfD, wurden sie Opfer eines rechten Angriffs mit gravierenden körperlichen und seelischen Folgen.

Was war geschehen:

Vier junge Männer, die der rechten Szene zu zuordnen sind und provokant bei der Kundgebung gegen die AfD auftraten, wurden von einer Ordnerin der Veranstaltung verwiesen. Direkt danach rast einer von ihnen mit seinem Beifahrer in einem Pick-up achtzig Meter über den Fußweg.

Er fährt bewusst drei Menschen, die von der Veranstaltung kommen, an und verletzt diese zum Teil schwer.

Im Anschluss daran spricht die Polizei von einem Verkehrsunfall !

Durch die falsche und verharmlosende Darstellung der Polizei, die auch die öffentlichen Medien aufgreifen, wurden die Ereignisse bagatellisiert. Schlimmer noch, es kam zu einer Täter-Opfer- Umkehr !

Polizei und Medien deuteten den gezielten, lebensgefährlichen Angriff  in einen Unfall um, der angeblich in Folge von Auseinandersetzungen geschah.

Den Opfern, für die der Tag im Krankenhaus endete, weil sie mit einem schweren SUV angefahren wurden, wurde durch diese Darstellung ein weiterer Schaden zugefügt. Statt Opfer eines rechtsradikalen Anschlages, wurden sie so zu möglichen Tätern in einer vermeintlichen Auseinandersetzung.

Dieser Mechanismus einer Täter-Opfer-Umkehr, der Verharmlosung und der Entpolitisierung rechter Gewalttaten, ist immer wieder zu beobachten und hat eine lange Tradition.

Menschen, die Betroffene rechter Gewalt sind, werden nicht nur primär Opfer durch die Tat, sondern auch sekundär durch den Umgang damit.

1996 kam es in der Hafenstraße in Lübeck zu einem Brandanschlag, bei dem 10 Menschen starben. Ermittelt wurde gegen einen Bewohner, der letztinstanzlich freigesprochen wurde. Die wirklichen Täter wurden nie angeklagt. Obwohl viele Hinweise der Opfer auf mehrere Neonazis als Täter hinwiesen, wurden diese nie ernsthaft verfolgt. Stattdessen kam es zu einer Täter-Opfer Umkehr.

Die Opfer werden bis heute mit den Folgen der Tat allein gelassen.

Nach den furchtbaren Morden des NSU kamen die behördlichen Ermittler*innen – aller Indizien zum Trotz – 10 Jahre lang nicht auf den Gedanken, dass es sich um Angriffe einer neonazistischen Terrorzelle handeln könnte. Stattdessen wurde bei den Opfern ermittelt.

Also erneut eine Täter-Opfer-Umkehr, erneut wird die Perspektive der Opfer ignoriert.

Die Angehörigen der getöteten Menschen und die Überlebenden des Attentats von Hanau mussten sogenannte „Gefährderansprachen“ durch die Polizei über sich ergehen lassen, als der Vater des rassistischen Massenmörders wieder in die Wohnung zog, in der er mit seinem Sohn lebte. Dabei war es der Vater, von dem in der Wahrnehmung der Opfer die Gefahr ausging.

Wieder Täter-Opfer Umkehr statt Opferschutz.

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen….

Die  Perspektiven der Opfer rechter Gewalt, die Traumatisierung durch die Taten und ihre Folgen bleiben oft ungehört und finden in der Öffentlichkeit wenig Beachtung.

Dabei weiß man aus sozialwissenschaftlichen  und psychologischen Untersuchungen und durch die Arbeit von Opferverbänden, dass ein wertschätzender Umgang, emphatisches Verhalten, die Anerkennung der Perspektiven der Opfer und die Aufarbeitung des Geschehenen von entscheidender Bedeutung für die Verarbeitung des erlebten Traumas sind.

Menschen, die Opfer rechter Gewalt geworden sind, werden aus ihrem bisherigen Leben gerissen und plötzlich müssen sie mit Verletzungen fertig werden – psychisch wie physisch. Sie brauchen unsere Unterstützung und vor allem unsere Solidarität !

Diesem Umgang mit den Opfern rechter Gewalt setzen wir entschieden unsere Solidarität entgegen !

Wir fordern die Einordnung und Bewertung der Tat von Henstedt-Ulzburg als rechtsradikalen lebensgefährlichen  Angriff !

Wir verurteilen die Täter-Opfer-Umkehr und die Bagatellisierung der Tat !

Schluss mit der Stigmatisierung der Opfer!

Wir stehen Hinter Euch !   Siamo tutti Antifascisti !

Und sobald die Infektionszahlen es zulassen, stehen wir gemeinsam auf der Straße !

Für Solidarität und gegen Naziterror !